Wie ich das Thema Stillen wahrgenommen habe

Das Thema Stillen begleitete uns die ganze erste Schwangerschaft und darüber hinaus. Es war immer präsent, im Gespräch mit unserem Frauenarzt, bei Konversationen mit anderen Müttern oder beim Durchlesen von diversen Ratgebern. Stillen war omnipräsent, sodass wir uns auch immer intensiver damit beschäftigten. Angefangen von Erfahrungen bis hin zu einem Geburtsvorbereitungskurs versuchten wir uns so gut als möglich über diese Thematik zu informieren und stießen auf unterschiedliche Herangehensweisen, persönliche Meinungen und Erlebnissen. Es schien unglaublich wichtig und essentiell zu sein.

Nun gut dachte ich mir, so schwer kann Stillen doch nicht sein, Baby nehmen, anlegen und es fängt an zu saugen, Mission accomplished. So dachte mein naives und noch nicht ganz auf Eltern getrimmtes Hirn es jedenfalls. Dass es aber schwieriger sein würde als gedacht, war mir ab dem ersehnten Tag X bewusst, weshalb ich auch einen kurzen Erfahrungsbericht über dieses Thema machen möchte.

Beginnen möchte ich mit dem ominösen Geburtsvorbereitungskurs, der für mich einige Überwindung kostete überhaupt hinzugehen. Dennoch gingen wir hin und es war amüsanter als gedacht, ich war nicht der einzige nervöse und werdende Vater in dem Raum, der stark nach esoterischen Ölen roch und zum Entspannen einlud. Im Laufe dieses Tages kam es auch zum Thema Stillen und wie man es nach der Geburt richtig angehen sollte. Ehrlich gesagt war es sehr viel Information auf einmal aber wir schrieben uns die wichtigsten Herangehensweisen auf und gingen mit dem Gewissen nach Hause, dass wir das schon schaffen werden.

Als dann die Geburt war und wir zum ersten Mal unsere Tochter in den Armen hielten, genossen wir zuerst die Zeit zu dritt. Wir waren überglücklich und konnten unser Glück kaum fassen. Ich hielt sie in den Armen, sah ihr in die Augen und war der stolzeste Vater. Die Zeit blieb für mich stehen, ich verschlang jeden Moment mit der Kleinen, doch dann musste ich sie abgeben, da sie ihre Milch brauchte. Nun waren wir gespannt ob das Stillen funktionierte und ob es so einfach wäre wie es überall beschrieben und angepriesen wird.

Nun, wie soll ich es sagen, es war ein bisschen schwieriger als gedacht, unsere kleine Tochter dockte an, saugte los und erwischte das heiß ersehnte Kolostrum, die Erstmilch, die für das Kind zum Aufbau ihres Immunsystems wichtig ist und wenigzu tun hat mit der eigetlichen Muttermilch. Doch wir merkten schon, dass es beim Saugen Probleme gab und unser Baby nie aus dem Vollem schöpfen konnte. Nach der ersten Nacht und darüber hinaus mussten wir erkennen, dass das Stillen nicht so einfach werden würde und dass unsere Kleine ihren eigenen Willen hatte. Wir gingen zu einer im Spital auf dieses Thema sensibilisierten Stillberaterin, die versuchte uns mithilfe eine Stillhütchens das Stillen zu erleichtern. Es hat anfänglich relativ gut funktioniert, dennoch war es eher ein Roulettspiel ob es nun klappte oder nicht. Tage vergingen, und auch die Hilfe der Stillberaterinnen brachte nur mäßigen Erfolg, meine Verlobte war mit den Nerven am Ende und ich konnte außer gut zusprechen kaum helfen. Es war eine verzwickte und zum Teils nervenaufreibende Situation, die uns aber die schönen Momente mit unserer Tochter nicht vermiesen ließ.

Schlussendlich wurden wir entlassen, unsere Kleine hatte das perfekte Gewicht erreicht und Ärzte und Hebammen hatten nichts dagegen, dass wir nach Hause gingen. Wir glaubten nun, dass die häusliche Geborgenheit und das gewohnte Umfeld uns beim Stillen helfen würde. Dem war anfänglich so, es ging gut, dann gab es aber wiederum auch Rückschläge, in denen wir verzweifelt versuchten, das Kind zum Stilen zu bewegen. Jedoch verweigerte sie direkt wieder die Brust, wie sie es bereits seit den ersten Versuchen nach der Geburt und im Krankenhaus tat. Sie schrie wie am Spieß und es war nicht möglich sie zum Andocken, geschweige denn zum Öffnen des Mundes zu bewegen. Auch die Stillberatung im Krankenhaus war ziemlich überrascht über diese Situation.  Auf diese Situation vorbereitet gab uns das Spital eine elektische Milchpumpe mit, die uns Abhilfe schaffen sollte. Dem war Gott sei Dank so, denn meiner Verlobten explodierten buchstäblich die Brüste, unsere kleine Tochter wollte aber nicht von der Brust trinken, sodass nur noch das Abpumpen half. Und siehe da, es half und unsere Kleine trank genüsslich ihre Milch, bedankte sich mit einem Bäuerchen und ging schlafen.

Meine Verlobte war mit den Nerven am Ende, war aber erleichtert, dass unser Baby trank, und das war das Wichtigste für uns. Dennoch beschäftigte uns das Thema durch und durch, meine Verlobte war verzweifelt, sie wollte unbedingt Stillen, war aber nur mit dem Abpumpen der Milch beschäftigt. Auf Dauer für uns auch keine Lösung, weshalb wir uns von allen Seiten Rat einholten.

Es waren zum Großteils gut gemeinte Tipps, die uns halfen, die aber auch das Gegenteil bewirkten, da mancher Rat bei uns ankam wie eine Aufforderung es unbedingt zu tun. Im Vordergrund stand immer der Grundsatz man MUSS stillen aber eine geeignete Alternative bei Fällen, in denen es nicht funktionierte, gab es kaum. Das Abpumpen war für uns, wie gesagt, auch keine Dauerlösung, sodass wir Nächte damit verbrachten unsere Mitte zu finden.

Hilfe fanden wir dann bei meiner Mutter, die beim Thema Stillen auf genug Erfahrung zurückblicken kann. Das liegt vor allem daran, dass sie neben mir als Ältesten noch weitere sechs Kinder großzog und ebenfalls bei allen mit dem Stillen Probleme hatte. Sie gab uns den Tipp, dass wir auf uns hören sollten, da schlussendlich wir am besten wüssten, was gut für das Kind sei. Sie selbst habe sich durch andere einen Stress mit dem Stillen gemacht wodurch sie sich nicht nur unvollkommen sondern auch wie eine schlechte Mutter vorkam. Zurückblickend resümmierte sie aber, dass wir für uns den besten Weg finden sollten, und dass man das Stillen nicht erzwingen sollte.

Was soll ich euch sagen, dieser Erfahrungsbericht tat uns gut, wir waren nicht mehr so unsicher, akzeptierten, dass das Stillen an der Brust nicht funktionierte und meine Verlobte pumpte noch ein paar Tage die Milch ab. Nachdem sich beide Brüste dann auch noch entzündeten, durch die Medikamente nur noch 10ml kamen und wir unsere Milchreserven aufgrund der Entzündungen entsorgen mussten entschieden wir uns, dass wir auf eine PRE-Milch umsteigen würden. Um ehrlich zu sein hatten wir in diesem Moment auch keine andere Wahl. Das Kind hatte Hunger und wir keine Muttermilch mehr. Unser Kind nahm es an, als hätte sie nichts anderes davor getrunken und wuchs normal weiter.

Was ich damit nach knapp zwei Jahren euch als Fazit sagen möchte, wäre Folgendes:

Stillen ist wichtig und essentiell, es ist eine wunderschöne Erfahrung und eine unglaubliche Bindung zwischen Mutter und Kind. Meine Verlobte und ich haben uns vorgenommen, es beim zweiten Kind wieder zu versuchen und hoffen, dass das Stillen diesmal funktioniert. Daumen sind gedrückt. Dennoch will ich jeder Mutter nur den Rat geben, wenn es nicht klappen sollte, wenn ihr psychisch nicht mehr in der Lage seid zu stillen, sei es weil das Kind nicht will oder ihr zu wenig Milch habt, es IST kein Weltuntergang. Es gibt genügend Alternativen, die das Stillen nicht 100% ersetzen kann, aber schon fast nahe herankommen. Und dem Kind schadet es nicht, es ist froh, dass es eine Milch bekommt, dass es wachsen und dass es mit vollem Magen einschlafen kann. Lasst euch nicht unnötig fertig machen von Ratgebern oder anderen Erfahrungen, sie sollten vielmehr als Ergänzung dienen, die man ausprobieren kann, die aber nicht als Verpflichtung gelten sollen. Mütter wissen oftmals haargenau, was ihre Kinder wollen und reagieren instinktiv richtig, so jedenfalls kann ich es aus der Erfahrung mit unserem ersten Kind berichten. Und ein Tipp an die Väter, unterstützt sie, so gut es geht, auf keinen Fall stressen und zu etwas drängen, denn sie haben nicht nur die Geburt hinter sich gebracht, sondern müssen nun auch mit dem sogenannten Babyblues umgehen, wo zwischen Freude und Trauer, weinen und lachen eine Millisekunden liegen können.

Ich hoffe, ich konnte aus meiner Erfahrung einigen Leserinnen und Lesern die „Angst“ vorm Stillen nehmen, und stehe für Fragen aber immer gerne zur Verfügung.

Bis dahin, alles Liebe, euer austrian_familylife-Papa

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