V. Der ersehnte Tag X

„Meine Freundin blickte auf, brach in Tränen der Verzweiflung aber auch des Glücks aus und sagte, dass die Fruchtblase geplatzt wäre. Der Tag X schien endlich da aber bis zur Geburt sollte es noch eine kleine Odyssee sein…“

Mit diesen Worten beendete ich den vorherigen Blogpost, der nun mit diesem letzten Eintrag einen Abschluss finden soll. Von Beginn der Schwangerschaft bis hin zu Geburt haben wir als werdende Eltern viel erlebt, einiges durchgemacht aber auch vieles genossen, eine Zeit, die man nicht missen will und die für das weitere Leben wichtig und aufschlussreich war.

Wie ging es nun an diesem ominösen Vatertagssonntag weiter, nachdem meine Freundin mit großen und verwunderten Augen da stand und die Fruchtblase geplatzt war? Eigentlich ging alles schnell, teilweise zu schnell für mich und meine Familie, die daneben stand und ebenso wie wir wussten, dass es jetzt ernst werden würde. Wie in Trance nahmen wir unsere Notfallsachen, die wir uns für diesen einen Moment hergerichtet hatten, riefen die Rettung und warteten. Es war eine gefühlte Ewigkeit, bis endlich das herannahende Blaulicht ankündigte, dass die Sanitäter kamen.

Angekommen nahmen die Rettungsmitarbeiter meine Freundin mit, die sich noch lächelnd vor Vorfreude aber auch weinend vor der herannahenden Geburt bei meiner Familie verabschiedete. Zusammen mit meiner Schwester ging es dann mit Blaulicht und leicht erhöhtem Tempo in Richtung Krankenhaus Hietzing, jenes Spital, das wir uns für die Geburt schlussendlich ausgesucht hatten.

Ich wiederum stieg in unser Privatauto ein, überlegte mir schnell wie ich am besten und am schnellsten ins Spital käme, startete den Motor und eilte dorthin. Ich kam zirka zehn bis 15 Minuten später an, suchte noch einen Parkplatz und rannte Richtung Krankenhausareal, welches größer war als gedacht. Glücklicherweise fand ich relativ rasch die Geburtenstation und begab mich in den Kreißsaal.

Auf der Station angekommen, wurde ich von einer Hebamme freundlich empfangen und in Richtung Kreißsäle gebracht, die ich aber schon von einer kurzen Besichtigung paar Monate davor kannte. Es war mir daher nicht fremd, dennoch war ich extrem nervös und als ich meine Freundin im größten der vier Kreißsäle vorfand, wurde mir bewusst, es kann sich nur noch um Stunden handeln, bis die Kleine da ist. Dacht ich, denn es kam anders als gedacht.

Es wurde Abend und obwohl die Fruchtblase geplatzt war, tat sich rein gar nichts. Meine Freundin lag noch immer in dem sehr esoterisch eingerichteten Raum, der mit allerlei technischen Geräten aber auch geburtsförderndem Equipment ausgestattet war, wurde aber aufgrund keiner Wehe auf die Normalstation verlegt. Mir wurde geraten nach Hause zu fahren, mich auszuruhen und auf den Anruf des Krankenhauses zu warten.

Das tat ich auch, verabschiedete mich von meiner Freundin, fuhr nach Hause, richtete mich her, schaute fern, legte mich nieder und, nun ja, verschlief. Denn um zirka sechs Uhr in der Früh wurde ich durch einen Anruf geweckt, der aber nicht vom Krankenhaus sondern von meiner Mutter war, die schon vorher verzweifelt versuchte anzurufen. Mit Blick auf das Display wurde mir bewusst, dass schon mehrere Personen versuchten mehrfach bei mir anzurufen. Ich hatte verschlafen, dennoch eilte ich mehr oder minder legal schnell ins Spital zurück, wo der Geburtsvorgang noch nicht begonnen hatte, dennoch lag meine Freundin schon in leichten Wehen. Nach einer kurzen Standpauke, wo ich denn gewesen sei, und ich versuchte die Situation zu beschwichtigen, warteten wir bis die Wehen stärker einsetzten.

Gegen Mittag war es dann soweit, die Wehenabstände wurden kürzer, meine Freundin war kaum mehr ansprechbar und ich konzentrierte mich auf die Ansagen der Hebammen. Ich wurde aktiv in das Geschehen mit einbezogen, was auf der einen Seite sehr interessant war, auf der anderen Seite hatte ich Angst, dass ich es entweder falsch mache oder mir schlecht werden würde. Beides erwies sich als nicht begründet, denn die Geburt ging dann schneller als ich mir darüber ernsthaft Gedanken machen konnte.

Spätestens als die Hebammen den Arzt herbeiriefen und ich vermehrt mit meiner Freundin reden sollte, wusste ich, dass ich in wenigen Minuten Vater werden würde. Alles ging Schlag auf Schlag, die Hebammen redeten nun schneller und bestimmter aber nicht lauter, blieben immer locker und unaufgeregt, weshalb ich ebenfalls relativ entspannt zur Sache ging. Der Arzt kam ins Zimmer, grüßte höflich zog sich die Handschuhe an, doch bevor er überhaupt fertig war, hörte ich einen letzten lauten Schrei meiner Freundin, der dann überging in einen schrilleren und leiseren Schrei eines Babys. Die Kleine war endlich da und war gesund. Wir waren nun Eltern und konnten unser Glück kaum fassen.

Der Oberarzt grinste, gratulierte uns und ging ohne etwas gemacht zu haben wieder aus dem Zimmer. Es war 13:15, und wir konnten endlich unser Kind in unseren Armen halten. Wir waren überglücklich.

Somit begann die Zeit in dem aus Zwei Drei wurden und wir gemeinsam mit unserer kleinen Tochter den Alltag meistern würden. Wir wussten, dass es nicht leicht sein würde, aber es war eine bewusste Entscheidung „ja“ dazu zu sagen. Heute blicken wir zurück und sagen mit gefühlten dreißig Augenringen und einem vierstelligen Defizit an Schlaf: Ja, es hat sich gelohnt.

Somit ist ein Kapitel unseres Lebens abgeschlossen, weitere werden folgen und ich werde natürlich auch zum Teil diese besonderen Momente hier mit euch teilen.

Bis dahin, danke fürs Mitlesen und Mitfiebern. Ich selbst habe durchs Schreiben einiges wieder Revue passieren lassen, und es tat gut sich wieder an diese anstrengende aber sehr schöne Zeit zu erinnern. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und wie gesagt, das war erst der Anfang unseres kleinen Abenteuers.

Alles Liebe, euer austrian_family-Papa

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