Meningokokken und ihre Gefahren

Impfen, ein wirklich wichtiges aber in der heutigen Zeit sehr heikles Thema, das immer mehr aufregt und zu kontroversen Diskussionen führt. Man hat das Gefühl, dass die Fronten in dieser Sache mehr denn je verhärtet sind, und wenn man den Blick in die sozialen Medien riskieren will, dann werden aus sachlichen Unterredungen bitterböse und teilweise auch untergriffige Anfeindungen.

Aber gerade wenn es ums Impfen geht, sollte man sich als Familie die Zeit nehmen und sich informieren, denn wie heißt es so schön: „Durchs Reden kommen d`Leit zam.“ Sowohl der Hausarzt als auch der Kinderarzt können hier die nötigen Informationen bieten und Missstände aus dem Weg räumen. Denn es geht um nichts Geringeres als um die Gesundheit deiner, meiner und unserer Kinder.

Bevor wir in medias res gehen, wollen wir vorweg klarstellen, dass wir unser Kind geimpft haben und es auch vorhaben beim zweiten zu tun, da wir der Meinung und der Überzeugung sind, dass Impfungen helfen und der Nutzen weit über den Nebenwirkungen steht. Dennoch respektieren wir auch andere Meinungen und sind bei dieser Thematik für konstruktive und informative Gespräche jederzeit bereit, weil wie schon oben erwähnt durchs Reden und Zuhören Unklarheiten und Missstände geklärt werden können. Die Devise hier sollte immer Respekt und ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe sein.

Somit möchten wir mit dem eigentlichen Blogpost beginnen, der sich mit dem Thema „Meningokokken“ und ihre Gefahren beschäftigen soll. Wir bekamen eine sehr herzliche Einladung der Firma GSK zu einem Informationsnachmittag mit dem besagten Thema zugeschickt und waren sofort einverstanden daran teilzunehmen, da Kind Nummer zwei unterwegs ist und wir vorhaben auch dieses impfen zu lassen. Am Donnerstag, den 11.04., fanden wir uns daher in einer Dachgeschoss Wohnung im zweiten Wiener Gemeindebezirk wieder um eben mit Experten, anderen Bloggern aber auch mit einem Arzt und einem Betroffenen zu reden, der hautnah miterleben musste, was Meningokokken-Bakterien auslösen können.

Nach einer allgemeinen Vorstellungsrunde begann auch der informelle Teil des Nachmittags, der sich sowohl mit dem Thema Meningokokken-Bakterien und deren Krankheiten auseinandersetzt, als auch mit der Impfung, die genau vor diesen Erregern schützen soll. Hier war es der Firma GSK vor allem wichtig auf den langwierigen und extrem kontrollierten Herstellungsprozess hinzuweisen, beginnend bei der Erforschung des Impfstoffs bis hin zum eigentlichen Impfen. Denn genau bei diesem Thema sind die Meinungen sehr kontroversell, da den Pharmakonzernen und Ärzten immer vorgeworfen werde, Menschen werde „Gift“ oder dergleichen iniziiert. Nein, nein und nochmals nein. Dahinter steht keine große Verschwörung, sondern Medizin, die bis aufs penibelste kontrolliert und begutachtet wird. Hier wird nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen, darauf soll aber später noch genauer eingegangen werden.

Was sind nun diese ominösen Meningokokken-Bakterien, um die es geht und gegen die es einen Impfstoff gibt? Was können sie auslösen und wie groß ist eigentlich die Gefahr?

Nun ja, Meningokokken-Bakterien sind der Auslöser für Krankheiten wie die bei vielen Österreichern bekannte Hirnhautentzündung, auch Meningitis genannt, oder der Meningokokken-Sepsis (Blutvergiftung durch Meninigokokken-Bakterien ausgelöst). Von diesen Bakterien gibt es wiederum verschiedene Typen, von denen die Typen B, C und Y in Österreich am häufigsten vorkommen. Übertragen werden sie über Tröpfcheninfektionen durch Küssen, Husten oder Niesen und nisten sich im Nasen-Rachenraum ein. Ca. 10-20% der Bevölkerung in Österreich haben diesen Erreger in sich, ohne dass sie erkranken, dennoch können sie an andere Menschen damit anstecken. Die eigentliche Erkrankung entsteht dann, wenn Meningokokken-Bakterien invasiv werden und sich vom Nasen-Rachenraum in den restlichen Körper ausbreiten. Dadurch werden die oben genannten Erkrankungen ausgelöst, die unterschiedlich ausfallen können. Ist eine Person an dieser erkrankt, ist es oftmals schwer zu diagnostizieren, dass es sich um eine Meningokokken-Erkrankung handelt. Aber gerade eine Frühdiagnose ist wichtig, da innerhalb der ersten 24-48 Stunden die Krankheit lebensbedrohlich werden kann und doch noch immer statistisch 10% der Patienten sterben und 20% der Überlebenden an Folgeschäden leiden. Zusammenfassend ist mit dieser Erkrankung nicht zu spaßen, da deren Verlauf unberechenbar und unvorhersehbar ist. Kurz gesagt, man sollte die Gelegenheit nutzen und sich gegen diesen Erreger impfen lassen.

Im weiteren Verlauf des Informationsnachmittags wurde dann auch das Thema Impfen und der Verlauf der Herstellung eines Impfstoffs näher gebracht. Hierbei wurde vor allem betont, dass das Entwickeln und Herstellen von Impfstoffen nicht auf die leichte Schulter genommen wird, vielmehr dauere es mehrere Monate bis Jahre bis ein solcher Impfstoff frei gegeben werde. Mehr als hunderte Tests insgesamt werden aufgeteilt in jeder Entwicklungsphase durchgeführt um sicher zu stellen, dass der Wirkstoff auch in Ordnung ist und dem Menschen helfen kann. Selbst nachdem das Präparat freigegeben ist und geimpft wurde, werden Patienten auch noch aufgefordert sich zu melden, falls irgendwelche Komplikationen auftreten sollten, damit schnellstmöglich reagiert werden kann. Somit wird hier nicht leichtfertig ein Impftstoff auf die Bevölkerung losgelassen, sondern vielmehr darauf geachtet, dass für das Allgemeinwohl eine Impfung zu Verfügung gestellt wird, die jedem helfen soll. Der Wirkstoff gegen das Meningokokken-Bakterium machte eine ungefähre Entwicklungszeit von sechs Jahren durch, bis es dann nach unzähligen Tests für den Gebrauch freigegeben wurde.

Zur informellen Untermalung meldete sich der anwesende Arzt Dr. Alexander Schneider,  Intensivmediziner und Kinderarzt im AKH Wien, zu Wort und bekräftigte aus seiner Erfahrung als Arzt, dass Impfstoffe einer der am meist kontrolliertesten Medizinprodukte sind und man davon ausgehen kann und muss, dass dahinter eine Vielzahl an Kontrolleuren stehen, die das auch bekräftigen. Anschließend gab er sein Wissen und seine Erfahrung als Kinderarzt zu diesem Thema weiter und unterstrich nochmals die Gefahren der Meningokokken-Erkrankung:

“Als Kinderfacharzt, der in der Kinderintensivstation an der Wiener Universitätsklinik für Kinder- & und Jugendheilkunde arbeitet, habe ich leider schon oft dramatische Verläufe bei einer Meningokokken-Erkrankung, welche unter anderem eine Meningitis oder eine Sepsis verursachen kann, gesehen. Leider sind fast alle Kinder, die mit einer Meningokokken-Infektion zu uns kamen und im Folge der Erkrankung eine Sepsis (Blutvergiftung) erlitten, daran gestorben. Sie konnten trotz medizinischer Behandlung nicht gerettet werden. Daher war ich als Arzt und Vater so erleichtert, als entsprechende Impfungen auf den Markt kamen, durch die man endlich die nötigen Vorsorgemaßnahmen treffen konnte, um Babys und Kinder vor dieser mitunter todbringenden Erkrankung zu schützen.”

Daran anknüpfend gab er dann noch weitere Tipps für werdende aber auch schon bestehende Eltern, die die Erkrankung nicht genau einordnen können oder dem skeptisch gegenüber stehen:

“Eine Meningkokken Erkrankung ist anfänglich oft durch unspezifische und grippeähnliche Symptome schwer von einem normalen grippalen Infekt zu unterscheiden. Falls ihr Kind aber sehr krank wirkt, fiebert und auch nicht gut auf fiebersenkende Medikamente reagiert, dann rate ich dazu, einen Kinderarzt aufzusuchen oder in die nächstgelegene Ambulanz zu gehen. (Andere Symptome wie Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und punktförmige Hautblutungen können auch auftreten) Dort kann man zum Beispiel anhand eines Fingerstichs unterscheiden, ob es sich um eine bakterielle oder eine virale Infektion handelt und dementsprechend agieren/therapieren. Im Falle einer Meningokokken-Infektion gilt es rasch zu handeln, da die Erkrankung innerhalb von 24 bis 48 Stunden lebensbedrohlich sein kann, und umgehend mit einem Antibiotikum begonnen werden muss.”

“Gerade im Internet und in vielen anderen Medien hält sich das Gerücht, dass Impfungen ernsthaft schaden. Zum Beispiel: Impfungen können angeblich Autismus auslösen – das ist schlichtweg falsch und wurde nie erwiesen. Die Studie, in der das behauptet wurde, musste sogar zurückgezogen werden. Fakt ist: Eine Impfung rettet Leben. Krankheiten kosten im schlimmsten Fall das Leben. Ich kann aber verstehen, wenn Eltern verunsichert sind. Als Kinderarzt ist es daher wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um die Eltern aufzuklären und ihnen ehrliche, valide und objektive Informationen zu liefern. Wie sie sich dann entscheiden, ist ihnen überlassen, aber meine ganz klare Empfehlung lautet: Impfen sie ihr Kind und impfen sie möglichst alle im Österreichischen Impfplan enthaltenen Impfungen. Es gibt Impfungen gegen Meningokokken B, C sowie ACWY. Die Impfungen (Meningokokken B & C) sind leider bis dato nicht kostenlos im österreichischen Impfplan enthalten. Wir Kinderärzte plädieren dafür, dass sich das ändert, weil wir dadurch die Chance hätten, vielen Kindern das Leben zu retten.”

Der dringliche Appell kam sichtlich an und wurde durch den zweiten Teil des Nachmittags umso mehr bestätigt und bekräftig, als ein Überlebender von seiner Meningokokken-Erkrankung erzählte. Sein Name ist Hannes und er erkrankte mit 18 Jahren an einer Meningokokken-Meningitis. Er hatte damals Kopfschmerzen, legte sich ins Bett, und fiel ins Koma. Er wurde daraufhin in ein Krankenhaus gebracht und hatte die ersten Tage extrem niedrige Überlebenschancen; nach 2 Wochen wurde er aufgeweckt, seine Muskulatur hatte stark abgebaut, wog statt 86 Kg nur mehr 69 Kg und war somit auch zu schwach, sich die Zähne zu putzen, eigenständig zu trinken, sich zu rasieren usw. und konnte sich die ersten Monate nicht selber versorgen. Er konnte zudem nicht mehr schreiben sowie lesen und musste es mühselig wieder neu erlernen. Zudem litt er danach an starken Kopf- & Nackenschmerzen, war körperlich unbeweglich/eingeschränkt – was als ehemaliger Leistungssportler doppelt so hart für Hannes war. Es geht ihm heute aber zum Glück wieder gut, er hat keine Folgeschäden davon getragen.

Mit diesen Informationen und Erfahrungen beendeten wir den Nachmittag, nun wohlwissend, dass mit solchen Krankheiten nicht zu spaßen ist und dass man, wenn man die Möglichkeit schon hat, sich und seine Kinder dagegen impfen lassen sollte. Falls man Zweifel hat oder dem skeptisch gegenüber steht, hilft es oftmals mit seinem vertrauten Hausarzt oder Kinderarzt zu reden, weil genau diese Menschen tagtäglich mit Menschen zu tun haben, die mit denselben Zweifel herumgehen. Reden und informieren hilft dann doch immer und kann im Endeffekt auch Leben retten.

Alles Gute wünschen euch eure austrian_familylife-Familie

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